Faszientraining bei “grundlosen” Schmerzen

Die Faszien – also das tiefliegende Bindegewebe, das im Grunde jeden Knochen, Muskel und sonstigen Bestandteil unseres Körpers umhüllt und miteinander verbindet – ist zurzeit sowohl in der schulmedizinischen, als auch der alternativen Medizin in aller Munde. Die Forschung auf diesem Gebiet ist noch jung, der Hype aber umso größer. Kaum ein Yogastudio, das nicht auf den Zug aufspringt und die bahnbrechende Technik der Faszien-Stimulation als das Wundermittel gegen chronische und vor allem unerklärlichen Schmerzen anpreist.

“Zurecht” sagen viele, denn bisher wurde dieses Gewebe von vielen Therapeuten weder beachtet, noch durch Untersuchungen sichtbar gemacht – so kann es auf einem Röntgenbild zum Beispiel nicht gesehen werden. Hinzu kommt, dass wir in der westlichen Gesellschaft auf Schmerz mit Schonung antworten, was in einigen Fällen hilft, in den meisten aber eher dazu führt, dass das Problem zumindest bestehen bleibt, wenn nicht sogar schlimmer wird.

Generell müssten wir “modernen” Menschen uns mit der Bewegung als Prävention anfreunden und sie viel mehr in unseren Alltag integrieren. Wie mein Yin-Yoga-Trainer sagt: “Gewebe muss stimuliert werden, sonst verkommt es”, also sollten wir mit Rückenschmerzen nicht starr vor Schmerz (oder auch Angst vor eben solchem) im Bett liegen, sondern eher sanft und vorsichtig die volle Beweglichkeit der Wirbelsäule nutzen um die Entzündung oder Blockade zu lösen.

Jahrelang habe ich mit scheinbar unerklärlichen Kniegelenksschmerzen gekämpft, die durch keine Tests erklärbar waren. Je größer die Schmerzen wurden, desto weniger habe ich dagegen getan. Bis mir einmal ein Physiotherapeut erklärte, dass ich durch dieses Verhalten das Problem immer nur noch größer machen würde, anstatt es zu lösen. Stattdessen empfahl er mir lange, statisch gehaltene Dehnübungen der Oberschenkelvorder- und -rückseite und siehe da, nach zwei Wochen war ich mehr oder weniger schmerzfrei.

Heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke wie laut der Aufschrei, ob dieser “neuen” Erkenntnisse momentan ist, obwohl physikalische Therapeuten wohl schulterzuckend sagen würden: “Das machen wir bereits seit Jahrzehnten so!”