2016 – Was für ein Jahr…

Für mich, als wohlstands-, überfluss- und friedensverwöhnte Westeuropäerin gab es 2016 Vieles, das mich zutiefst erschüttert und mein Urvertrauen in die Menschheit zerrüttet hat.

Die Wahl eines verrückten, hasserfüllten Mannes zum US-Präsidenten oder die Zerstörungswut religiöser Fanatiker bilden hier nur die Spitze des Eisberges an Krisen, in denen wir zu stecken scheinen. Aber selbst aus all den schrecklichen Geschehnissen kann man lernen und kraftvoll emporsteigen. Die Tränen sind getrocknet, die Sorgen von den Schultern geschüttelt, und auf geht es in ein neues Jahr, in dem sich viel ändern kann – am besten man probiert es an sich selbst aus.

Kraft aus der Mitte: “It’s only pain – not death”

 

 

Eine meiner ungeliebtesten Ãsanas ist der High Lunge. Wie oft habe ich die Sekunden gezählt bis zu den erlösenden Worten und ausatmend in den herabschauenden Hund kommen”. Wie oft sind in mir unnette Gedanken aufgekommen, weil die Worte scheinbar ewig auf sich warten haben lassen.

Oft habe ich Yogalehrern insgeheim unterstellt, sie würden ihre Klassen nicht so lang in dieser unheiligen Position stehen lassen, würden sie selbst darin zittern. Immer noch klingen mir die Worte eines international anerkannten und tatsächlich großartigen Yogalehrers in den Ohren … “It’s only pain – not death!” … doch dann geschah etwas. Ich änderte meine Einstellung! Ich wartete nicht mehr mit bebendem Quadrizeps auf Erlösung, sondern visualisierte vor mir etwas sehr Unschönes – zum Beispiel Donald Trump! Auf einmal nahm ich die Kraft in meiner Basis war – im Transversus (der tiefsitzende Bauchmuskel, der unseren Unterleib wie ein Muff schützt) und lernte die Kraft, die aus dieser Standhaltung hervorgeht, zu genießen. Und ich lernte meinen Ärger nutzvoll einzusetzen.

Der “Trump-Lunge” war geboren!

In meinen Klassen nenne ich den High Lunge nun Trump Lunge, was meistens ein bezauberndes Lächeln auf die verschwitzten Gesichter meiner Schüler zeichnet und mich daran erinnert, dass das Leben eben nicht immer nur wie mein geliebter herabschauender Hund sein kann. Außerdem liebe ich es an diese Standhaltung eine kleine Krieger-Sequenz anzuschließen. Das lenkt etwas von der Belastung ab und stärkt die Fußgelenke, da sie die Standwechsel ausbalancieren müssen.

Einfach einmal in die eigene Praxis einbauen:

  • Beginne im herabschauenden Hund.

  • Bring das rechte Bein mit Schwung nach vorne und balanciere dich hier gut aus – gerne auch mithilfe der Hände.

  • Die Ferse muss unter dem Knie stehen. (Ich habe gerne mehr Standbreite, daher sind bei mir der linke Zehenballen und die rechte Ferse nicht auf einer Linie, sondern hüftbreit aufgestellt.) Schiebe das Becken nach vorne.

  • Aktiviere den unteren Bauch, bringe die Schultern mit einer tiefen Ausatmung nach hinten und unten. Atme ein, hebe die Arme an, drück die rechte Ferse fest in die Matte und erhebe dich in den Trump Lunge.

  • Spür die Dehnung des linken Hüftbeugers, wenn du die Ferse aktiv von dir bzw. der Matte weg bewegst. Nimm die Kraft war, die in deinem rechten Quadrizeps (Oberschenkel, vorn) entsteht. Achte bitte unbedingt auf das vordere Knie und lass es nicht nach innen kippen.

  • Öffne dich im Brustbereich, indem du die Arme in ein V öffnest und eventuell auch den Blick hebst.

  • Bring nun die Aufmerksamkeit zu deinem linken Fuß, nimm etwas Gewicht vom Fußballen, und bring die Zehen nach links außen, während die Hüfte und der Oberkörper ebenso nach links aufdrehen.

  • Die Arme senkst du ausatmend auf Schulterhöhe ab und wendest deinen Blick zur rechten Hand.

  • Im Krieger II ist es wichtig, die richtige Position für den hinteren Fuß zu finden. “Klassisch” heißt die Zehen etwas nach vorne (also Richtung Vorderkannte deiner Matte) zeigen zu lassen, dabei das Gewicht auf der äußere Kante der Sohle zu halten und das Bein dennoch gestreckt zu lassen… ganz ehrlich, ich habe bisher nur wenige Yogis kennengelernt, die die anatomische Voraussetzung hierfür haben. Also bitte finde eine Position, in der du stabil und knieschonend stehen kannst. Auch hier gilt wieder: Je breiter der Stand, desto weniger Balance ist nötig um zu stehen.

  • Nimm auch hier wieder zwei tiefe Atemzüge und bewege dich anschließend tief ausatmend in den Reverse (umgekehrten) Krieger. Hierfür senkst du deinen Rumpf nach hinten.

  • Der Oberkörper bleibt nach links geöffnet, du dehnst also deine rechte Flanke indem du den linken Arm absenkst, vielleicht sogar den linken Oberschenkel berührst und den rechten Arm weit über deinen Kopf in die gleiche Richtung zeigen lässt.

  • Bleib mit der Aufmerksamkeit beim vorderen Bein und dem Transversus – hier rührt die Kraft her. Achte weiterhin auf das vordere Knie!

  • Nach zwei tiefen Atemzügen kommst du ausatmend zurück in den Krieger II.

  • Finde deine Stabilität und Balance.

  • Mit einer tiefen Einatmung nimmst du wieder Gewicht vom hinteren Fuß und verwurzelst den Fußballen in der Matte, während du den Oberkörper nach vorne drehst und die Arme wieder Richtung Decke öffnest.

  • Trump Lunge ;)

  • Von hier geht es nun ausatmend, mit roten Bäckchen, und glücklich, dass man stärker als der eigene Schweinehund (oder Trump ;)) war, in den erlösenden, herabschauenden Hund und von hier entweder gleich weiter zur Wiederholung auf der linken Seite, oder zunächst in die Stellung des Kindes.

Am Schluss nicht das Dehnen der beanspruchten Beinmuskulatur vergessen und natürlich die Endentspannung!